2012: Geologie-Praktikum in JANAO/ Из Грайфсвальда в Салехард на практику по геологии (отзыв студентки) PDF Печать E-mail

Vom 23.06.12 bis 06.07.12 nahm ich an der X. International Conference on Permafrost teil. Diese fand in Salekhard statt, einer Stadt direkt am Polarkreis in Sibirien gelegen. Dort trafen sich internationale Wissenschaftler, um die aktuelle Problematik von Klima und Permafrost zu diskutieren. Als Studentin der Geologie wurde ich in ein Stipendiaten-Programm aufgenommen. Durch dieses Programm wurde es mir ermöglicht, an den Vorträgen und Diskussionsrunden teilzunehmen. Zusammen mit Studenten war ich einem Wohnheim untergebracht, direkt am Campus der Universität Salekhard. Hier beeindrucken vor allem die Modernität und Aktivität der Stadt, was die wenigsten wohl von einer Stadt in Sibirien erwarten würden. Die Stadt wurde 1595 unter dem Namen Obdursk gegründet und 1930 in Salekhard benannt. Es handelt sich um die am nächsten zum Polarkreis gelegenen Stadt. Im Voraus sollte man aber bedenken, dass man zur Sommerzeit auch mit einer ungewohnten Begebenheit konfrontiert wird, den Polartagen! Mich haben zwei Wochen helle Nächte erwartet, was am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig ist, einem aber ungeahnte Eindrücke vermitteln kann. Nach Ankunft am Flughafen wurden wir mit einem extra für die Ankünftlinge inszenierten Programm begrüßt, dass Tradition und Lebensweise der Menschen in diesem Gebiet der Tundra mit Musik und Tanz aufgezeigt hat und uns zugleich die russische Gastfreundlichkeit erleben ließ, die uns die ganze Zeit begleitet hat. Als Merkmal der Stadt ist das Arctic Cicle Monument zu bemerken, sowie verschiedene weitere Monumente wie Mammut und Rentier. Inhalt des Programms war es für mich an den verschiedenen Sessions teilzunehmen, gehalten von Wissenschaftlern von den international kooperierenden Instituten. Am Abend gab es eine Vielzahl an kulturellen Angeboten aus denen man wählen konnte, angefangen von kleinen Touren in und außerhalb der Stadt, über verschiedene Showeinlagen mit traditionellen Liedern und Tänzen, sowie abendliche Bankette an denen man die noch zuvor vortragenden hochrangigen Wissenschaftler auch persönlich kennenlernen konnte. Diese Abende haben vor allem durch die Vielzahl an Speisen und Getränken beeindruckt, die sehr an die Bilder aus Hochglanzmagazinen erinnern. Was das leibliche Wohl betrifft gab es nichts zu vermissen, vom Frühstück angefangen bis über diverse Kaffeepausen und Mittag, sowie die eben angesprochenen abendlichen Bankette war es kaum notwendig sich selber Essen zu kaufen. Im Anschluss an die Konferenz gab es ein extra Angebot an verschiedenen Expeditionen in die Tundra teilzunehmen. Mein Feldtrip nahm seinen Anfang am Bahnhof von Labytnangi, einer Stadt die sich nahe Salekhard befindet und von der aus wir mit dem Zug in Richtung weite Tundra gefahren sind. Mit einer Fahrzeit von 12 h plus 2 h Verspätung, kamen wir dann am nächsten Tag mitten in der Tundra an. Dort hielt der Zug, weit und breit kein Bahnhof, einfach aussteigen und sich dann mit den Sachen auf den Weg zu den Einheimischen machen, die bereits auf uns gewartet haben. An einem kleine Fluss angekommen wurden wir in kleinen Booten aufgenommen und zu einer Siedlung gebracht, wo wir in eigens für uns aufgestellten Jurten untergebracht wurden und eine Woche auf traditionelle Art mit den Bewohnern der Tundra leben durften. Von da aus haben wir uns verschiedene geologische Erscheinungen angeschaut, haben Rentierherden angetroffen und uns mit angreifenden Mückenschwärmen auseinandergesetzt, deren Vielzahl man durchaus unterschätzt! All das was man normalerweise aus Fernsehen und Zeitung kennt, haben wir da erlebt. Die Lebensweise mit den Einheimischen, die Tundra mit ihrer Tier-und Pflanzenwelt, sowie die Renntierfahrten zur Arbeit. Einfach wunderschönes und seltenes Erlebnis, für das ich mich bei Frau Dr. E. Koudrjavtseva, IKaRuS e.V. und Regierung vom JANAO bedanken möchte.

Carolin Neugebauer, Universität Greifswald, Geographisches Institut